Donnerstag, 25. September 2014
"Mitte funktioniert" - das muss die von auswärts kommende Nachtschwärmerin gedacht haben, als ich ihr freundlich Auskunft gab, wo hier die nächste U-Bahn-Station sei. Ich saß bereits einige Zeit auf der Bank am Gendarmenmarkt, um meine Füße auszuruhen, die heute einiges zu tun gehabt hatten, bis sie irgendwann kam und sich auf die Bank daneben setzte. Vorsichtshalber hielt ich meine Zigarette in die andere Richtung, bis ich erleichtert feststellte, dass sie sich auch eine anzündete. Sie plauderte mit jemandem am Telefon, dass es hier eine gute Bar gäbe und zudem stünden eine Menge Restaurants zur Auswahl. Mit einem festen und glücklichen Blick bedankte sie sich extra noch einmal für meine U-Bahn-Auskunft bevor sie ging und auf ihren Stiefelchen Richtung Nacht und Leben davonschwebte. Unterdessen hatte sich der Himmel eingetrübt und die Lampen warfen dieses seltsame Berlinlicht, wie es früher die Karl-Marx-Allee hatte in den Abendstunden, bevor das hässliche kalte Öko-Sparlicht Einzug hielt. Ich klappe die Augen auf und zu. Den Gendarmenmarkt kann ich auf meinem persönlichen Zeitstreifen bis in die Vorwendezeit zurückverfolgen und verblüffend daran ist, es hat sich kaum etwas geändert. Der Platz, die Laternen und die Menschengruppen - all das gab es schon vor dreißig Jahren. Das fühlt sich verbindlich an, vertraut und für geraume Zeit unzerstörbar.