Wach, in der Tiefe summend, die Augen aufgeschlagen und den Riff der Ruine der Geisterstadt geborgen. In die Gegenwart getragen. Ein Eimer als Wahrzeichen. Die Musik musste gespielt werden, damit jetzt alles so gekommen ist, wie es gekommen ist. Die Ruinen wurden beschallt und es wurde getanzt. Der Mann mit dem verbrannten Gesicht hatte eine neue Geliebte und darauf kannst du deinen Arsch verwetten, es war ein großes Spektakel und die Geländer waren schon vor Jahren weggebrochen. Surfe auf deiner Welle. Nimm mich mit, bezahle mein Bier und trage unter dem Mantel Batman.
Jahrelang zierten blaue Flecken meine Ober-und Unterschenkel; da der an mich übertragene Schreibtisch meines Vaters, welcher wiederum vom Vater meiner Mutter stammte, zwar hübsch anzusehen war, aber überall Kanten und Ecken besaß, welche man just in jenen Momenten vergaß, in denen man einer normalen Sitzhaltung überdrüssig wurde. Ich sah jenes Modell noch häufig in anderen Wohnungen. Besonders exquisit war das braune Möbelstück nicht, aber es verlieh Studentenbuden einen Hauch von altehrwürdigem Büro. Und so lief ich sommers schon mal gesprenkelt und gefleckt durch die Dörfer von Berlin ohne Erklärungsnöte.
Jenseits des Handschriftlichen, was man prinzipiell gut in allen Lebenslagen erledigen kann, also im Sitzen, Stehen oder Liegen, begann meine Tippkarriere mit einer Schreibmaschine. Hierauf verfasst die erste Lyrik. Das geschah alles noch in einem kleinen Zimmer mit Seerosentapeten und wurde akribisch verrichtet. Nach drei, vier Gedichten begann ich Songtexte von Plattencovern abzutippen um alsbald festzustellen, dass das auch alles Lyrik ist. Das Maschinchen verschwand bald wieder und ich kehrte zum Handschriftlichen zurück bis mein erster Computer mein Zimmer des abends und des nachts zu erleuchten begann.
Dieses mysteriöse Leuchten ersetzte schon bald den Fernseher, auch wenn das Geschriebene natürlich nur Selbsbespiegelung war. Aber im Rausch von Pubertät und Postpubertät war mein Fenster zur Welt mein Ich. Hinzu kamen schon bald die schönen, wie auch simplen Feststellungen: Je mehr ich schrieb, desto besser wurde ich und je mehr ich las, desto besser wurde ich. Man konnte der Eitelkeit beim Wachsen zusehen.
Die blauen Flecken nahm ich in zwei Wohnungen mit und hernach verschwanden sie, so wie auch die Postpubertät verschwand und das Schreiben sich wandelte. Was anfangs noch sehr aufregend und bestimmt war von Rausch, Selbstübersteigerung, Naivität und Sehnsucht, ließ allmählich nach. Mir wurde klar, dass ich Themen brauchte, Stoff sozusagen, Erzählstoff. Damit begann das Schreiben ein anderes zu werden, an anderen Orten und Schreibtischen. Zu anderen Zeiten. Mit einem anderen Wesen auf der anderen Seite des Bildschirms als früher.
Jeder Schreibort hat seine eigene Geschichte, seine eigene Aura und womöglich auch seine eigene Bestimmung. Ich kann inzwischen in öffentlichen Räumen schreiben ohne nervös zu werden. Wobei ich nicht weiß, ob ich dies als Fortschritt oder Rückschritt betrachten soll. Mich beglückt das Schreiben in jeglicher Form sowie Art und Weise nach wie vor. Mal ist es eine geritzte Zeile in eine S-Bahn -Scheibe, mal ein Fluch, an eine Klowand gepinselt, ein Witz, auf Twitter erzählt, eine Replik zu einem Zeitungsinterview mit einem Philosophen oder es sind siebenhundertfünfzig heruntergeratterte Wörter, ausgefeilte Texte im offline oder einfach eine Notiz auf einem Zettel.
Jenseits des Handschriftlichen, was man prinzipiell gut in allen Lebenslagen erledigen kann, also im Sitzen, Stehen oder Liegen, begann meine Tippkarriere mit einer Schreibmaschine. Hierauf verfasst die erste Lyrik. Das geschah alles noch in einem kleinen Zimmer mit Seerosentapeten und wurde akribisch verrichtet. Nach drei, vier Gedichten begann ich Songtexte von Plattencovern abzutippen um alsbald festzustellen, dass das auch alles Lyrik ist. Das Maschinchen verschwand bald wieder und ich kehrte zum Handschriftlichen zurück bis mein erster Computer mein Zimmer des abends und des nachts zu erleuchten begann.
Dieses mysteriöse Leuchten ersetzte schon bald den Fernseher, auch wenn das Geschriebene natürlich nur Selbsbespiegelung war. Aber im Rausch von Pubertät und Postpubertät war mein Fenster zur Welt mein Ich. Hinzu kamen schon bald die schönen, wie auch simplen Feststellungen: Je mehr ich schrieb, desto besser wurde ich und je mehr ich las, desto besser wurde ich. Man konnte der Eitelkeit beim Wachsen zusehen.
Die blauen Flecken nahm ich in zwei Wohnungen mit und hernach verschwanden sie, so wie auch die Postpubertät verschwand und das Schreiben sich wandelte. Was anfangs noch sehr aufregend und bestimmt war von Rausch, Selbstübersteigerung, Naivität und Sehnsucht, ließ allmählich nach. Mir wurde klar, dass ich Themen brauchte, Stoff sozusagen, Erzählstoff. Damit begann das Schreiben ein anderes zu werden, an anderen Orten und Schreibtischen. Zu anderen Zeiten. Mit einem anderen Wesen auf der anderen Seite des Bildschirms als früher.
Jeder Schreibort hat seine eigene Geschichte, seine eigene Aura und womöglich auch seine eigene Bestimmung. Ich kann inzwischen in öffentlichen Räumen schreiben ohne nervös zu werden. Wobei ich nicht weiß, ob ich dies als Fortschritt oder Rückschritt betrachten soll. Mich beglückt das Schreiben in jeglicher Form sowie Art und Weise nach wie vor. Mal ist es eine geritzte Zeile in eine S-Bahn -Scheibe, mal ein Fluch, an eine Klowand gepinselt, ein Witz, auf Twitter erzählt, eine Replik zu einem Zeitungsinterview mit einem Philosophen oder es sind siebenhundertfünfzig heruntergeratterte Wörter, ausgefeilte Texte im offline oder einfach eine Notiz auf einem Zettel.
¶ Bleib
In zwei Minuten lässt sich so viel denken und Zusammenhänge werden kurz verknüpft, wo sie auf den ersten Blick unmöglich erschienen und die dazugehörigen Gefühle werden abgeglichen und möglicherweise kannst du danach ein wenig aufatmen, hoffen, einen Schritt weiter zu sein. Die Gedanken strömen, ja fallen geradezu wie Tetrissteine in den weißen Raum und harren darauf gestapelt und sortiert zu werden. Wie in einem Bällebad, einem computerisierten Anstaltsraum, in welchem Plastikwörter aus Tetrissteingebilden durch die Insassen gestapelt werden. Unaufhörlich. Eine grobschlächtige, grob gepixelte und legonsteinbunte Welt, in Gleichförmigkeiten gebannt, so als gäbe es keine Wellen, keinen Hauch, keine Verzögerung und kein Formenwirrwarr. Nur gestapelte Tetrisware. Digitales Berlin.
Wie aus einer anderen Welt erscheinen mir da die alten gesammelten Postkarten, die Flyer und Konzerttickets, zahllose Schnipselsammlungen von Telefonnummern und der zarte weiche Staub, welcher über Jahre die Stapel gelenkartig zu einer Ziehharmonika verbunden hat, benennt die zurückgelegte Zeit. Zuweilen ist der Staub von einer klebrigen Schlierenschicht unterlegt, einer festgelegten Vergangenheit. Was sich da alles in den Jahren angesammelt hat. Was werde ich alles hinter mir lassen? Ist das aufzählbar? Die unzähligen Parties und Clubs und all die kostbaren und manchmal auch weniger kostbaren Jahre, gefüllt mit Liebe, Verlogenheit und Trauer. Sich runterschreiben, die Gedanken schweifen lassen und in die Tiefe gehen und Luft holen. Tief Luft holen. Bevor ich mich noch einmal kurz umdrehe, um dann leicht federnden Schrittes die Treppen herunterzusteigen, übergebe ich Betty das geschnürte Bündel mit den alten Geschichten. Ich greife links und rechts nach den Koffern und trete in den Sonnenkegel des Vorhofs. Ich bin raus. Und Berlin ist vorläufig Geschichte und erzählbar geworden.
Während ich hier versuche, die Vergangenheit zusammenzutragen, dreht sich die Stadt weiter und alle Erinnerungen, wo man eng umschlungen, knutschend und keuchend oder drogenbleich in kalten Treppenhäusern saß, um Lichtspiele einzufangen, gehören anderen Zeiten an. Aber nicht dem hier und jetzt. Meine Zeitwahrnehmung schwankt. Ich spinne Netze, betrete Grauzonen, hebe Grabdeckel, um den kühlen Gestank zu riechen und glotzend, offenen Auges in die Grabstelle zu schauen. Verwest. Das alles.
Aber es sind nicht nur die Erinnerungen. Ich suche ein Wesen; ein Wesen zusammengesetzt aus Erinnerungen, Videos, Büchern und Erzählungen, während ich die Straßen auf und ab laufe. Punktuell tauchen Partys aus vergangenen Zeiten auf, zum Beispiel während ich an einer fünfhundert Meter entfernten Straßenampel lehne und in der Wohnung längst andere Mieter eingezogen sind. Aber diese Party von vor zehn Jahren ist mir momentan präsent und gegenwärtig, während ich die geklebten Zettel abtaste, flüchtig um mich schaue und auf grün warte, während die Zeit ununterbrochen und unbarmherzig weiterläuft.
Wie aus einer anderen Welt erscheinen mir da die alten gesammelten Postkarten, die Flyer und Konzerttickets, zahllose Schnipselsammlungen von Telefonnummern und der zarte weiche Staub, welcher über Jahre die Stapel gelenkartig zu einer Ziehharmonika verbunden hat, benennt die zurückgelegte Zeit. Zuweilen ist der Staub von einer klebrigen Schlierenschicht unterlegt, einer festgelegten Vergangenheit. Was sich da alles in den Jahren angesammelt hat. Was werde ich alles hinter mir lassen? Ist das aufzählbar? Die unzähligen Parties und Clubs und all die kostbaren und manchmal auch weniger kostbaren Jahre, gefüllt mit Liebe, Verlogenheit und Trauer. Sich runterschreiben, die Gedanken schweifen lassen und in die Tiefe gehen und Luft holen. Tief Luft holen. Bevor ich mich noch einmal kurz umdrehe, um dann leicht federnden Schrittes die Treppen herunterzusteigen, übergebe ich Betty das geschnürte Bündel mit den alten Geschichten. Ich greife links und rechts nach den Koffern und trete in den Sonnenkegel des Vorhofs. Ich bin raus. Und Berlin ist vorläufig Geschichte und erzählbar geworden.
Während ich hier versuche, die Vergangenheit zusammenzutragen, dreht sich die Stadt weiter und alle Erinnerungen, wo man eng umschlungen, knutschend und keuchend oder drogenbleich in kalten Treppenhäusern saß, um Lichtspiele einzufangen, gehören anderen Zeiten an. Aber nicht dem hier und jetzt. Meine Zeitwahrnehmung schwankt. Ich spinne Netze, betrete Grauzonen, hebe Grabdeckel, um den kühlen Gestank zu riechen und glotzend, offenen Auges in die Grabstelle zu schauen. Verwest. Das alles.
Aber es sind nicht nur die Erinnerungen. Ich suche ein Wesen; ein Wesen zusammengesetzt aus Erinnerungen, Videos, Büchern und Erzählungen, während ich die Straßen auf und ab laufe. Punktuell tauchen Partys aus vergangenen Zeiten auf, zum Beispiel während ich an einer fünfhundert Meter entfernten Straßenampel lehne und in der Wohnung längst andere Mieter eingezogen sind. Aber diese Party von vor zehn Jahren ist mir momentan präsent und gegenwärtig, während ich die geklebten Zettel abtaste, flüchtig um mich schaue und auf grün warte, während die Zeit ununterbrochen und unbarmherzig weiterläuft.