Die Hysterie blieb aus, obwohl sie angesichts der Tatsache der erneuten Erkältung, sowie darauf folgender Bronchitis und eingedenk der Umstände, dass dies letztes Jahr um die gleiche Zeit geschah, mehr als berechtigt gewesen wäre. Aber was wäre es lächerlich zu glauben, es gäbe Jahrestage. Jahrestage, welche fluchartig Wiederholungen nach sich zögen. So als geschähe ein Kriegsausbruch immerfort jährlich wieder und eine Befriedung ebenso. Jetzt ist es wieder einmal vorbei für eine geraume Zeit und seit letztem Jahr hat sich prinzipiell nichts ereignet. Ich weiß zuweilen auch nicht, wie ich mit diesem Nichts umgehen soll und bin doch dabei, es zu genießen. Ich regeneriere schneller, setze meine Füße fester auf den Boden, bin entschlussfreudiger, achtsamer und klarer, als ich es je zuvor war. Geheilt - habe ich diesen Sommer festgestellt und einiges an Seiten runtergetippt. Noch nichts großartiges, nichts weltbewegendes, aber es macht sich langsam wieder und die Frage bleibt natürlich: Wohin jetzt? Wohin mit der restlichen schönen Lebenszeit und wie ausfüllen? Das mag sich etwas merkwürdig anhören. Sogar in meinen Ohren klingt es etwas verschroben und esoterisch. Aber ich kann und darf und will mich jetzt wieder allem aussetzen, was sich mir bietet, was ich gutheiße, was zu mir passt, was ich will und möchte. Keine so schlechte Ausgangsposition und das Gepäck ist geschultert, die Schuhe sind geputzt, die Kleidung müsste noch in die Reinigung, die Einladungskarten werden bald verschickt und dann wird gefeiert. In Extase, im Saloonrausch und mit schwerer Ballmüdigkeit in den Haarspitzen gen Morgengrauen wird abgeblendet. Es soll euch an nichts mangeln. Meine ganze Wohnung ist exklusiv mit Sekt benetzt.
Ich bin mir nicht sicher, ob er ein Holzfäller oder ein Holländer ist. Aber er hat sich mit den Trunkenbolden der russischen Mafia eingelassen, um Konservenfabriken verschwinden zu lassen. Mich nennt er Lizza Lavazza und eine Trompete, auf der ich sitze, springt von Fichtenwipfel zu Fichtenwipfel. Die Trompete kontrolliert mich, nicht ich sie.
Nächte II
Würde mir jemand davon erzählen, würde ich erwidern - warum erzählst du mir Träume, die du dir ausgedacht hast. „Das ist doch nicht wahr!“, sage ich zu Peter, der Lumpenfrau. Ich schnelle aus meinem Wachtraum hoch. Aber das war noch längst nicht alles gewesen. Die Lumpenfrau hockt an meinem Bettende, wird immer kleiner und lacht gehässig, wie ein Kinderalptraum. Ich lache zurück, stehe auf, koche mir einen Kaffee und überlege, was eigentlich passiert war, außer dass ich die Musik lauter gedreht habe, tatsächlich lauter gedreht habe, per schriftlicher Anweisung lauter werden ließ. Es ist bereits später Nachmittag geworden. Ein Volvo fährt die russischen Eisenbahnschienen entlang nach Nowosibirsk. Neben dem Fahrer sitzt eine zweite Gestalt, die nach längerem Hinschauen sich als die Seele des Fahrers entpuppt. Sie sieht seinem Körper ähnlich, nur dass sie leicht bläulich angelaufen ist. Ach, das habe ich nicht geträumt, vermutlich nur im Fernsehen gesehen. Das Auto fährt Tag und Nacht. Es hält selten an. In der Nacht ist es allein. Es hat seine Frau verlassen. Die Scheinwerfer sind auf den Landstraßen ziemlich allein. Es tut mir leid. Du bist ein Geist auf der Autobahn und ich liebe dich für immer. Aber ich fliege ihm auf der Trompete hinterher und der Fahrer mit dem grauen Bart spricht immer wieder zu seiner Seele: „Los, wach auf - die Trompetenhexe ist ein Mann!“ Deine Augen sind auf den Fahrstreifen gerichtet. Die Seele ist wortkarg, wird immer blasser und verschwindet beinah, als der Fahrer einen hauchdünnen Morgennebel durchquert. Der Autofahrer lächelt mich an und das Lächeln landet Stunden später in meinem Schoß und sieht wie eine verquollene dunkle Wattewolke aus. Am Abend habe ich ihn wieder eingeholt. Ich trompete ein paar Morsesignale in die dunkle russische Waldlandschaft hinein - Ich bin kein Mann und auch keine Hexe! Er wirft mir ein Video zu. Ich fange das Band mit den Händen auf und dann greift ein Lassoende um meinen Hals, holt mich zu ihm herunter und er fragt gehetzt, beinah atemlos:
„Hast du es angeschaut?“ Seine Augen sind übermüdet, so als hätte er drei Tage lang nicht geschlafen. „Ja, deine Frau hat dich betrogen!“, antworte ich kühl, gefesselt auf dem Rücksitz liegend. Das Video hatte ich nicht angesehen, da er mir keine Zeit dafür ließ, aber seine Augen sprechen Bände. Er löst mir das Seil vom Hals und lässt mich in seinem Auto übernachten. Die Trompete hatte schlussendlich keine Lust mehr zu fliegen. Uns umwirbeln die Tauwinde und Morgennebel einer polnischen Landschaft und das Auto fährt weiter und weiter. Vermutlich bin ich wieder eingeschlafen. Aber warum kann ich auf einer Trompete fliegen und habe dabei nicht einmal das Gefühl, der Autofahrer erzählt mir ein Märchen nach dem anderen. Esmeralda umtanzt den Glöckner, welcher zwielichtige Selbstgespräche mit den Geisterjägern führt, um nicht als Robert de Niro zu enden. Zweites Aufwachen.Ein Stoffbeutel hielt mir einen Vortag über den Satanskult. Währenddessen hielt er eine kleine Strohpuppe in der Hand und brach ihr gegen Ende das Genick. „Das war deine ehemalige Schulfreundin!“, grinst er und ich laufe schon wieder auf drei Stelzen, obwohl zwei gereicht hätten. Der Volvofahrer ist immer noch nicht angekommen - er wird nie ankommen, denke ich so bei mir. Er schickt mir ein Telegramm - Lizza - Lavazza - in drei Tagen erreichen wir wohl die polnische Grenze. Vor sechs Tagen hat er Berlin verlassen. Ich bin irritiert und vergesse Einstein. Das Auto ist sicherlich kaputt. Niemand braucht neun Tage bis zur polnischen Grenze, wenn er von Berlin aus losgefahren ist. Kleinigkeiten übersehe ich gern, um sie alsbald groß aufzubauschen.
Nächte II
Würde mir jemand davon erzählen, würde ich erwidern - warum erzählst du mir Träume, die du dir ausgedacht hast. „Das ist doch nicht wahr!“, sage ich zu Peter, der Lumpenfrau. Ich schnelle aus meinem Wachtraum hoch. Aber das war noch längst nicht alles gewesen. Die Lumpenfrau hockt an meinem Bettende, wird immer kleiner und lacht gehässig, wie ein Kinderalptraum. Ich lache zurück, stehe auf, koche mir einen Kaffee und überlege, was eigentlich passiert war, außer dass ich die Musik lauter gedreht habe, tatsächlich lauter gedreht habe, per schriftlicher Anweisung lauter werden ließ. Es ist bereits später Nachmittag geworden. Ein Volvo fährt die russischen Eisenbahnschienen entlang nach Nowosibirsk. Neben dem Fahrer sitzt eine zweite Gestalt, die nach längerem Hinschauen sich als die Seele des Fahrers entpuppt. Sie sieht seinem Körper ähnlich, nur dass sie leicht bläulich angelaufen ist. Ach, das habe ich nicht geträumt, vermutlich nur im Fernsehen gesehen. Das Auto fährt Tag und Nacht. Es hält selten an. In der Nacht ist es allein. Es hat seine Frau verlassen. Die Scheinwerfer sind auf den Landstraßen ziemlich allein. Es tut mir leid. Du bist ein Geist auf der Autobahn und ich liebe dich für immer. Aber ich fliege ihm auf der Trompete hinterher und der Fahrer mit dem grauen Bart spricht immer wieder zu seiner Seele: „Los, wach auf - die Trompetenhexe ist ein Mann!“ Deine Augen sind auf den Fahrstreifen gerichtet. Die Seele ist wortkarg, wird immer blasser und verschwindet beinah, als der Fahrer einen hauchdünnen Morgennebel durchquert. Der Autofahrer lächelt mich an und das Lächeln landet Stunden später in meinem Schoß und sieht wie eine verquollene dunkle Wattewolke aus. Am Abend habe ich ihn wieder eingeholt. Ich trompete ein paar Morsesignale in die dunkle russische Waldlandschaft hinein - Ich bin kein Mann und auch keine Hexe! Er wirft mir ein Video zu. Ich fange das Band mit den Händen auf und dann greift ein Lassoende um meinen Hals, holt mich zu ihm herunter und er fragt gehetzt, beinah atemlos:
„Hast du es angeschaut?“ Seine Augen sind übermüdet, so als hätte er drei Tage lang nicht geschlafen. „Ja, deine Frau hat dich betrogen!“, antworte ich kühl, gefesselt auf dem Rücksitz liegend. Das Video hatte ich nicht angesehen, da er mir keine Zeit dafür ließ, aber seine Augen sprechen Bände. Er löst mir das Seil vom Hals und lässt mich in seinem Auto übernachten. Die Trompete hatte schlussendlich keine Lust mehr zu fliegen. Uns umwirbeln die Tauwinde und Morgennebel einer polnischen Landschaft und das Auto fährt weiter und weiter. Vermutlich bin ich wieder eingeschlafen. Aber warum kann ich auf einer Trompete fliegen und habe dabei nicht einmal das Gefühl, der Autofahrer erzählt mir ein Märchen nach dem anderen. Esmeralda umtanzt den Glöckner, welcher zwielichtige Selbstgespräche mit den Geisterjägern führt, um nicht als Robert de Niro zu enden. Zweites Aufwachen.Ein Stoffbeutel hielt mir einen Vortag über den Satanskult. Währenddessen hielt er eine kleine Strohpuppe in der Hand und brach ihr gegen Ende das Genick. „Das war deine ehemalige Schulfreundin!“, grinst er und ich laufe schon wieder auf drei Stelzen, obwohl zwei gereicht hätten. Der Volvofahrer ist immer noch nicht angekommen - er wird nie ankommen, denke ich so bei mir. Er schickt mir ein Telegramm - Lizza - Lavazza - in drei Tagen erreichen wir wohl die polnische Grenze. Vor sechs Tagen hat er Berlin verlassen. Ich bin irritiert und vergesse Einstein. Das Auto ist sicherlich kaputt. Niemand braucht neun Tage bis zur polnischen Grenze, wenn er von Berlin aus losgefahren ist. Kleinigkeiten übersehe ich gern, um sie alsbald groß aufzubauschen.
Vor ein paar Monaten habe ich eine meiner LiebslingsmittwitterInnen scherzhaft als Alien bezeichnet, da sie die Vorwendezeit nicht miterlebt hat. Stolz brüstete sie sich, aber immerhin vor dem Mauerfall geboren zu sein. Diese Tatsache, das gleiche Geburtsjahr, teilt sie mit Nadja Drygalla, aber vermutlich mehr auch nicht.
Die nicht abzustreitende Nähe von Frau Drygalla zur rechten Szene müsste meiner Alien-Theorie (Alles Neue macht der Umbruch) zufolge eigentlich nicht nachvollziehbar sein. Aber ebensowenig ist es kaum nachvollziehbar, dass der
Nationalsozialistische Untergrund, samt seiner Wendekindermitglieder, über ein Jahrzehnt sinnlos mordend durch die Republik ziehen konnte. Wie wurden die Feindbilder weitergegeben? Wer hat sie aufrecht erhalten? War das nur ein kleiner Teil der Bevölkerung oder wurden nationalistische Gesinnungen quer durch alle Bevölkerungsschichten bewußt oder bewußtlos weiter gepflegt?
Unermüdlich stemmte sich doch ein Großteil der Bevölkerung, vor allem nach der Wende und den Vorfällen in Rostock Lichtenhagen, gegen seine hässliche Vergangenheit und diskutierte in unterschiedlichen Rahmen über die Zukunftsperspektiven der scheinbar losen ostdeutschen Landstriche und versuchte neue Rituale des Gedenkens zu installieren und Aufklärungsarbeit zu leisten, wo sie im Schulunterricht der DDR häufig als zu selbstverständlich daherkam.
Die Installation der NPD in den Zonengebieten geschah natürlich auch nicht von ungefähr, da genauso wie Unternehmer oder die großen Parteien SPD und CDU natürlich auch die NPD in den Osten fuhr und für sich zu werben begann. Die Forschungen und Studien dazu sind zahlreich. Aber die NPD allein bildet nicht das ab, was an Ressentiments in der Bevölkerung weiterhin schwelt und schwelen wird. Die Verantwortliche für neue große Wellen der Entrüstung ist die Angst. Eine Angst, die von Thilo Sarrazin geschürt wird, von der Bankenkrise getragen wird, welche Austerität statt Austern fordert und die einen greifbaren und altbekannten Verursacher sucht. Es sind die Anderen, das Andere, das Merkwürdige, das Homosexuelle, das Sinnlose, Überflüssige, Hedonistische, das Sündige - das, was meinen Alltag durcheinander bringt, den ich mir mühselig und ordentlich eingerichtet habe, damit mich das System in Ruhe lässt, damit ich hier verdammt noch mal nicht untergehe und klarkomme. Verdammt noch mal!
Rostock existiert auch in Berlin Berliner Bierfest: Hohe Dichte an Londsdale, Consdaple und Thor Steinar Shirts über dicke Mahlsdorfer Bäuche oder Muskeloberarme gespannt. noch. Da mache sich mal keiner was vor. Und es ist das Berlin dieser Tage, nicht jener vergangenen Tage, wo Vietnamesen in Marzahn "abgestochen" wurden wie Vieh aus der Massentierhaltung, weil wegen "Scheiß Fidschis und so" und haste nicht gesehen.
Wer in diesen Tagen anfängt, auch nur irgendwie und weiß der Fuchs wozu, Angst zu schüren, dem kann nur eins geraten werden: Entspann dich verdammt noch mal, dreh auf, tanz dich halbtot, nimm Drogen, schrei es raus, engagiere dich (egal ob sinnlos oder nicht) und dann reden wir weiter.
Die nicht abzustreitende Nähe von Frau Drygalla zur rechten Szene müsste meiner Alien-Theorie (Alles Neue macht der Umbruch) zufolge eigentlich nicht nachvollziehbar sein. Aber ebensowenig ist es kaum nachvollziehbar, dass der
Nationalsozialistische Untergrund, samt seiner Wendekindermitglieder, über ein Jahrzehnt sinnlos mordend durch die Republik ziehen konnte. Wie wurden die Feindbilder weitergegeben? Wer hat sie aufrecht erhalten? War das nur ein kleiner Teil der Bevölkerung oder wurden nationalistische Gesinnungen quer durch alle Bevölkerungsschichten bewußt oder bewußtlos weiter gepflegt?
Unermüdlich stemmte sich doch ein Großteil der Bevölkerung, vor allem nach der Wende und den Vorfällen in Rostock Lichtenhagen, gegen seine hässliche Vergangenheit und diskutierte in unterschiedlichen Rahmen über die Zukunftsperspektiven der scheinbar losen ostdeutschen Landstriche und versuchte neue Rituale des Gedenkens zu installieren und Aufklärungsarbeit zu leisten, wo sie im Schulunterricht der DDR häufig als zu selbstverständlich daherkam.
Die Installation der NPD in den Zonengebieten geschah natürlich auch nicht von ungefähr, da genauso wie Unternehmer oder die großen Parteien SPD und CDU natürlich auch die NPD in den Osten fuhr und für sich zu werben begann. Die Forschungen und Studien dazu sind zahlreich. Aber die NPD allein bildet nicht das ab, was an Ressentiments in der Bevölkerung weiterhin schwelt und schwelen wird. Die Verantwortliche für neue große Wellen der Entrüstung ist die Angst. Eine Angst, die von Thilo Sarrazin geschürt wird, von der Bankenkrise getragen wird, welche Austerität statt Austern fordert und die einen greifbaren und altbekannten Verursacher sucht. Es sind die Anderen, das Andere, das Merkwürdige, das Homosexuelle, das Sinnlose, Überflüssige, Hedonistische, das Sündige - das, was meinen Alltag durcheinander bringt, den ich mir mühselig und ordentlich eingerichtet habe, damit mich das System in Ruhe lässt, damit ich hier verdammt noch mal nicht untergehe und klarkomme. Verdammt noch mal!
Rostock existiert auch in Berlin Berliner Bierfest: Hohe Dichte an Londsdale, Consdaple und Thor Steinar Shirts über dicke Mahlsdorfer Bäuche oder Muskeloberarme gespannt. noch. Da mache sich mal keiner was vor. Und es ist das Berlin dieser Tage, nicht jener vergangenen Tage, wo Vietnamesen in Marzahn "abgestochen" wurden wie Vieh aus der Massentierhaltung, weil wegen "Scheiß Fidschis und so" und haste nicht gesehen.
Wer in diesen Tagen anfängt, auch nur irgendwie und weiß der Fuchs wozu, Angst zu schüren, dem kann nur eins geraten werden: Entspann dich verdammt noch mal, dreh auf, tanz dich halbtot, nimm Drogen, schrei es raus, engagiere dich (egal ob sinnlos oder nicht) und dann reden wir weiter.